AG Naturbrut
  Home
  Naturbrut
  Handaufzucht
  Wildfang
  Berichte
  Fachausdrücke
  FAQ
  Bilder von Freunden und Bekannten
   
  Links
  Impressum, Rechtliches
  Eigene Banner
Unsere Aras
Beate Hein

Im letzten Frühjahr meinte mein Mann, dass es an der Zeit sei, sich einen Jugendwunsch zu erfüllen. Er wollte sich einen Papagei anschaffen. Nun ja, da ich selber Spaß an Vögeln habe, war ich schnell einverstanden mit der Idee. Ich wälzte Bücher und ich suchte Informationen im Internet, denn wenn ich mir ein Tier anschaffe, dann möchte ich möglichst vorher alles Wichtige wissen.

 
   

Durch Zufall fand ich die Seite der Vogelforen. Puhhhhhh - da hatte ich mir schon zig Bücher gekauft, in denen Dinge zu lesen waren wie: nur Einzelvögel werden zahm, nur Einzelvögel lernen sprechen, die Käfiggröße - "handelsüblich", und nun dies! In den Vogelforen war die Rede von Paarhaltung, Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien, Handaufzuchten und Naturbruten, vogelkundigen Tierärzten, Luftfeuchtigkeit, und, und, und. Ich sagte zu meinem Mann: "Ein Vogel ist kein Vogel - wir brauchen zwei!" Seine Reaktion war klar: "Du musst wieder übertreiben, die werden dann nicht zahm, ne das will ich nicht." Ich konnte aber gleich noch einen drauf setzen, als ich ihm die Mindestanforderung für die Käfiggröße nannte - sein Kommentar: "Du spinnst!"

Nun denn, das war ja schon mal ein guter Anfang. Jetzt musste meine Überzeugungsarbeit beginnen. Erst einmal besuchten wir einen Papageienbesitzer. Er hatte einen Ara, eine Amazone und einen Graupapagei. Der Ara bewegte sich frei in der Wohnung, die anderen beiden waren eingesperrt - denn verstehen taten sich die drei nicht. Drei Einzelvögel also. Kaum zu Hause angekommen, sagte mein Mann: "Du, da stimmt doch was nicht. Wieso verstehen die drei sich nicht? Das ist ja trostlos, den ganzen Tag nur eingesperrt. Und dann so enge Käfige." Ahhhhhhhh, der erste Erfolg! Mein Mann sah ein, dass es ein Paar sein muss und dass ein Käfig so groß sein muss, dass die Tiere sich darin auch wohl fühlen, wenn sie mal nicht raus können.

Ich ging immer davon aus, dass wir uns Graupapageien anschaffen würden und so ersteigerte ich einfach einen großen Käfig bei ebay. Mein Mann rollte zwar mit den Augen ("sooooooo groß?"), aber der Anfang war gemacht. Nun ging die Suche nach einem Züchter los. Da hatten wir Glück! Durch Zufall bekam ich die Adresse von einem, der ganz in unserer Nähe wohnte. Angerufen und verabredet. In der ersten Voliere saßen ein Paar Gelbbrustaras mit zwei Jungen. Die beiden waren gerade aus ihrer Bruthöhle gekommen und ich sah, wie die Eltern sie liebevoll fütterten. Einer wurde vom Vater, der andere von der Mutter gefüttert. Was für ein Bild!

Aber ich wollte ja Graupapageien und so ging ich weiter zur nächsten Voliere, wo ich mit einem fröhlichen "Na du?" begrüßt wurde. Ja, da war ich richtig. Aber wo blieb mein Mann? Er stand mit Herzchenaugen bei den Aras, und würdigte die Grauen keines Blickes. Hmmm? Abends rückte er dann mit der Sprache raus: "Ich möchte einen Ara!" Na toll - soviel zu dem ersteigerten Käfig. Wir fuhren am nächsten Tag wieder zum Züchter und standen Stunden vor der Voliere - sollen wir? Sollen wir nicht? Die Araeltern ließen sich mit Nüssen ans Gitter locken und wenn man sich zur Seite stellte, kam auch ein Jungtier ganz nah. Toll sahen sie aus mit ihrem gewaltigen, furchteinflößenden Schnabel und ihren Riesenfüßen... Ich war nicht so überzeugt, und äugte immer sehnsüchtig zu den Grauen. Wir fuhren dann jede Woche zu "unserem?" Ara. Schnell bemerkte ich, dass eines der Jungtiere mich wiedererkannte, und sich von Besuch zu Besuch immer dichter ans Gitter traute. Und da war es auch um mich geschehen. Graupapa ade - Ara hallo! Wir bestellten eine große Voliere, die Essecke flog auf den Sperrmüll und das Riesending wurde aufgestellt. Freunde, die zu Besuch kamen waren entsetzt: "Ara? Du meinst die Riesenviecher aus dem Zoo?"

Im September war es soweit. Henry zog ein. Was für ein Anblick! Und wie der knurren konnte! Ich hatte sehr viel Respekt vor ihm, vor allem vor seinem Schnabel! Mein Mann hatte sich Urlaub genommen und saß ab jetzt mehr in der Voliere als bei uns. Er war klar im Vorteil, denn seine tiefe brummende Stimme säuselte den Ara ein. Und der kam schon am zweiten Tag näher und nahm eine Nuss aus der Hand.

Da hatte ich es schon schwerer. Aber ich hatte vom Clickertraining gelesen und da man mit Speck Mäuse fängt - warum dann nicht mit Nüssen Aras? So fing ich an mit Henry zu clickern. Das Erstaunliche war, dass der Vogel bei uns beiden die gleichen Fortschritte machte, und so durften wir ihn nach nur 5 Tagen am Schnabel streicheln, und ein paar Tage später saß er bei meinem Mann auf dem Arm. Ab jetzt ging es mit Riesenschritten voran. Henry suchte unsere Nähe, war überall mit dabei und half mir beim Reinigen. Und auf einmal ließ er sich anfassen!

 

Inzwischen fand ich Henry gar nicht mehr so gewaltig groß; sein Schnabel war mir vertraut und nicht mehr Furcht einflößend. Die Eingewöhnung war wirklich problemlos, so dass wir den Zeitpunkt für gekommen hielten, nach einer Partnerin zu suchen.

Keine acht Wochen nachdem Henry bei uns eingezogen war kam Jule hinzu – zufällig am gleichen Tag wie Henry geschlüpft und natürlich auch eine Naturbrut.

Wir bemerkten allerdings einen großen Unterschied zwischen den beiden Vögeln. Während Henry uns ja schon bald zwei Monate kannte, bevor wir ihn zu uns holten, war Jule den Umgang mit Menschen gar nicht gewohnt. Sie schrie wie am Spieß und knurrte so laut, dass Henry laut "RUHE!" brüllte.

Jule zog zunächst in einen separaten Käfig ein. Auf dem linken Bild sieht man erste Annäherungsversuche von Henry.

Nach vier Wochen gab es den ersten gemeinsamen Freiflug. Es war ein voller Erfolg, Liebe perfekt! Seitdem sind die Beiden unzertrennlich.

   

Henry und Jule sind unzertrennlich

Henry teilt seine Zeit nun gerecht auf, er kommt gerne zu uns und lässt sich kraulen, fliegt dann aber wieder zu seiner Frau, und die Beiden spielen. Jule hat schnell gelernt, dass wir nichts Böses wollen und nahm auch bald alles aus der Hand ab. Sie hat sich viel bei Henry abgeschaut.

 

 

Links sieht man Henry bei meinem Mann, und Jule, die alles genau beobachtet.

 

Jule ist deutlich skeptischer als Henry, wird aber immer zutraulicher. Ich bin froh, dass wir uns für Naturbruten entschieden haben. Alles was wir in den Büchern gelesen haben hat sich als falsch herausgestellt.

Naturbruten werden genauso zahm wie Handaufzuchten, und sie lernen sprechen (und das, obwohl wir nie geübt haben, da ich keinen Wert darauf lege). Sie verhalten sich wie natürliche Vögel und meinen nicht, dass der Mensch ihr Partner sei.

Übrigens beißen unsere Aras nicht. Auch zu unseren Kindern haben beide ein sehr gutes Verhältnis und lassen sich von ihnen aus der Hand füttern und anfassen.

Die Aras unter sich...

   

...und bei ihrem Menschen

 

P.S. Schrieb ich "Graupapa ade?"  Im Januar ist Meggy eingezogen, eine behinderte Naturbrut.

Die Suche nach einem geeigneten Partner war auf Grund ihrer Behinderung sehr schwer, aber nach fast acht Monaten ist dann endlich der kleine Felix dazu gekommen. Aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt ist unsere Bande komplett!

 
Seitenanfang