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Hugo und Emmy

von Annett Frischke

Als ich im letzten Jahr einen Züchter in unserer Nähe besuchte, wollte ich mir eigentlich bloß einmal seine Tiere anschauen. Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, mir einen Papagei anzuschaffen, aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht - ich kam mit Hugo im Gepäck zurück!

 

Der Züchter wollte ihn loswerden, weil er nicht an seine Henne ging und somit zur Zucht ungeeignet war. Er saß in einem kleinen Käfig und klammerte sich ans Gitter. Er sah so unglücklich aus! Wir bezahlten ihn und fuhren heim. Mein Schwager hatte noch einen großen Käfig, der wurde schnell notdürftig eingerichtet.

Ich muss sagen, ich hatte keine Ahnung von Papageien. So meldete ich mich in einem Vogelforum an, um mich schlau zu machen. Da
hörte ich auch das erste Mal von Naturbrut und Handaufzucht und Wildfang und von diesen ganzen Unterschieden.

Graupapagei Hugo

Hugo, noch alleine

Ich fragte kurzerhand beim Züchter nach, woher Hugo stamme und wie er aufgezogen wurde, aber der reagierte sehr merkwürdig. Er sagte, Hugo sei ihm zugeflogen! Nunja, das war jetzt schwer nachzuvollziehen und auch das angegebene Alter von 10 Jahren stimmte wohl nicht. Einen Ring trug Hugo nicht und so mussten wir uns beim Anmelden auch noch einigen Fragen stellen. Wir dürfen nun Hugo nicht mehr verkaufen, aber das kommt sowieso nicht in Frage!

Hugo ließ sich schon bald streicheln, obwohl er noch ein wenig Angst vor Händen hatte, vor allem wenn man sich seinen Füßen nähern wollte. Nachdem wir ihn an uns gewöhnt hatten und er auch Obst zu sich nahm, war ziemlich schnell klar, er bekommt eine Partnerin.

So machte ich mich im Internet auf die Suche nach einer geeigneten Henne. Dabei stellte sich mir eigentlich zunächst nicht die Frage, ob es eine Handaufzucht oder eine Naturbrut sein sollte. Vielmehr stellte sich mir eine finanzielle Frage. Ich fand einen netten Züchter in Thüringen, der mir die 10 Monate junge Emmy verkaufte, eine Naturbrut!

Graupapagei Emmy

Emmy, eine Woche bei uns

Anfangs war ich etwas skeptisch, ob sich die beiden Vögel vertragen würden. Ich hatte zwei Käfige vorbereitet, ziemlich gleiche Innenausstattung war auch vorhanden. Als Emmy dann ankam, stellten wir ihre Transportbox auf den Tisch und Hugo durfte raus zum Schauen. Nach ein bisschen Beschnuppern kam Emmy in ihren Käfig. Sofort flog Hugo drauf und suchte den Eingang!

Ich dachte, ich lass ihn mal machen. Er kletterte sofort in Emmys Käfig und setzte sich in einem Sicherheitsabstand zu Emmy hin. Sie plusterte sich zwar auf und knurrte etwas, aber es gab keine Beißerei. Ich war mir dessen durchaus bewusst, dass es hätte schief gehen können, die Beiden sofort zusammen zu lassen! Aber sie taten sich nichts und rückten von Tag zu Tag näher zusammen.

Was uns Menschen betraf, war Emmy zunächst nicht so freundlich. Wenn wir uns dem Käfig näherten, fauchte und hackte sie gegen uns und ich war recht schnell am Verzweifeln. Ich beschloss, sie erstmal in Ruhe zu lassen. Zwei Wochen später sah ich ganz erstaunt zum Käfig, da waren die Beiden am Schnäbeln und Kraulen!

Ich habe mich so sehr gefreut, dass ich einen erneuten Versuch startete, Emmy näher zu kommen. Ich war überrascht, sie fauchte nicht mehr und hackte auch nicht mehr so schnell nach mir. ich fing an, ihr größere Leckerlis zu geben, ich hatte ein wenig Angst um meine Finger! Die Leckerlis wurden immer kleiner und ich konnte schon bald über ihren Schnabel streicheln.

Emmy und Hugo kraulen sich

Die ersten Schnäbeleien
schon nach 14 Tagen

Emmy und Hugo beim Spiel

Emmy lernt viel,
auch dass neue Spielsachen nicht beißen

Emmy ist jetzt knapp vier Monate bei uns, sie kommt schon aufs Stöckchen, lässt sich über den Schnabel streicheln, sich duschen und sie spielt viel. Das Schönste ist, wenn ich an ihren Käfig gehe, kommt sie zu mir, hält ihren Kopf schräg und piepst mich ganz leise an! Dann kommt Sie näher und nimmt ganz vorsichtig meinen Finger. Ich bin total glücklich, dass wir sie haben!

Sicher, mit einer Handaufzucht hätten wir gleich einen Schmusevogel gehabt, aber vielleicht wäre der auch mehr auf uns geprägt gewesen und die Verpaarung hätte nicht geklappt!

So war ein bisschen mehr Arbeit und Geduld erforderlich, ja. Aber das war auch schon alles.

Im Herbst werden wir uns noch ein Pärchen zulegen und es werden sicher wieder Naturbruten sein.

Graupapageien Emmy und Hugo

So harmonisch läuft es jetzt, nach 4 Monaten, ab

Text und Fotos: © Annett Frischke

Anmerkung von Dagmar:
Dieser Bericht zeigt wunderbar, wie auch Anfänger mit ein wenig Geduld und Einfühlungsvermögen in das Wesen der Vögel ganz schnell zum Erfolg kommen. Es wurden keine übertriebenen Erwartungen an die Vögel gestellt, man hat ihnen die Initiative überlassen anstatt zu versuchen, ihnen den eigenen Willen aufzuzwingen - es hat funktioniert, wie es besser garnicht gehen konnte!

Nach üblicher Auffassung wurden eine Reihe von Fehlern gemacht, auf die ich der Vollst#ndigkeit halber hinweisen möchte:
Hugo war ein Spontankauf, der Züchter hat die Kundin im Grunde genommen betrogen. Er hat einen nicht beringten, nicht angemeldeten Vogel verkauft, auf solche "Geschäfte" sollte man sich nicht einlassen.
Normalerweise läßt man einen neuen Vogel nicht gleich mit dem vorhandenen zusammen, erstens sollte eine Quarantänezeit eingehalten werden, oder wenigstens eine Ankaufuntersuchung beim vogelkundigen Tierarzt gemacht werden, um auszuschließen, dass Krankheiten eingeschleppt werden. Und zweitens kann es sein, dass die Vögel erst langsam aneinander gewöhnt werden müssen, damit es nicht zu ernsthaften Auseinandersetzungen kommt.
Die Autorin war zunächst enttäuscht, dass Emmy sie anfauchte - bei einer Naturbrut muß man damit rechnen, dass die Eingewöhnung u.U. Wochen dauern kann und nur in kleinen Schritten erfolgt. Wenn es so ist, heißt es Geduld haben und sich über jeden noch so kleinen Fortschritt freuen, dann klappt es auch.
Annett hat mit beiden Vögeln einen echten Glücksgriff getan, oder war es ihre Intuition und ihr Vertrauen in die Vögel, die einen so schnellen Erfolg beschieden haben?

 
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