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Theo – eine Naturbrut
von Timea Gresens

Wir wollten uns schon länger einen Graupapagei zulegen. Nachdem wir uns mit einschlägiger Literatur und Internetforen beschäftigt hatten, stand unser Entschluss fest.

Dann ging die Grübelei los: Hahn oder Henne, ein oder zwei Vögel, Naturbrut oder Handaufzucht, große Zimmervoliere oder großer Käfig mit unbegrenzten Freiflug?

Letzteres war uns sofort klar. Wir nahmen einen geräumigen Papageienkäfig, der oben zum Freisitz offen bleiben kann, um unbegrenzten Freiflug zu ermöglichen.

Nun beschäftigten wir uns mit den verschiedenen Aufzuchtarten. Schnell war uns klar, dass wir die barbarische Handaufzuchtmethode auf keinen Fall mit einem Kauf unterstützen wollten. Sicher ist es ganz nett, wenn der Papagei von Anfang an zahm ist, sich streicheln lässt, und aus der Hand frisst. Doch man muss ja auch über die ersten Wochen hinaus denken. Handaufzuchten haben sehr viele Nachteile. Oft können sie sich nicht um ihren eigenen Nachwuchs kümmern, neigen öfter dazu, ein Rupfer oder Schreier zu werden, weiterhin gibt es meist Probleme bei der Vergesellschaftung. Diese Papageien sind einfach fehlgeprägt und viel zu sehr auf den Menschen fixiert.

Hahn oder Henne, das war uns egal. Wir beschlossen, erst mit einem Vogel anzufangen. Auch wenn viele Papageienbesitzer jetzt aufstöhnen werden: Lieber zunächst nur einen Papagei, aber dafür sollte er artgerecht aufgezogen sein! Wenn der Graue sich eingelebt hatte, sollte ein zweiter folgen.

Dann ging die Suche los. Wir mussten feststellen, dass es gar nicht so einfach war, eine Naturbrut zu finden. Etliche Züchter bieten Handaufzuchten an, doch diejenigen, die Naturbruten anbieten, sind rar.

In den Anzeigen fanden wir endlich einen Naturbrut-Züchter, der dazu noch recht „nah“ war. Der Züchter bot uns eine Handaufzucht und eine Naturbrut an. Wir hatten „Es“ gefunden! Die DNA-Analyse war zu jenem Zeitpunkt noch nicht erfolgt. Zwei Wochen mussten wir warten, bis der Graue futterfest war. Als wir zusagten, wurde „es“ in die Voliere zu den Handaufzuchten gesteckt, um sich langsam an Menschen zu gewöhnen.

In den zwei Wochen beschäftigten wir uns eingehender mit dem Thema Naturbrut und fanden uns immer wieder darin bestätigt, dass eine Naturbrut besser als eine Handaufzucht – für das Tier – ist!

Die Tage zogen sich hin wie Kleister… aber endlich war es soweit! Am 3. November fuhren wir nach Illertissen (Bayern) und holten unseren Theo.

Die Eingewöhnung

1.- 3. Woche:
Theo hatte die Fahrt zu uns nach Hause prima gemeistert! Abends fing er schon an, den Käfig zu erkunden und begann auch sofort zu fressen. Eine Futtermischung für die ersten Wochen hatte uns der Züchter mitgegeben. Theo war beim Züchter sehr ausgewogen ernährt worden. Alles was wir ihm an Obst und Gemüse anboten, aß er auch. Essen ist überhaupt seine Lieblingsbeschäftigung.

Walnüsse (aus dem Backzutatenregal) fand er von Anfang an als Leckerli mehr als akzeptabel.

Doch jedes Mal, wenn wir uns dem Käfig näherten, plusterte sich Theo zum Federball auf. Legten wir die Hand von außen ans Gitter, wollte er in die Hand hacken oder zitterte wie Espenlaub.

3.- 4. Woche:

Seit Anfang der dritten Woche ließen wir den Käfig tagsüber geöffnet, so dass jederzeit Freiflug möglich war. Anfangs war Theo etwas skeptisch – aber bald merkte er, dass der Freisitz auf der Voliere viel interessanter war als „Hinter Gittern“ zu sitzen.

Bei seinen kleinen Rundflügen kam es schon mal vor, dass wir ihn aus einer misslichen Lage retten mussten. Bereits nach wenigen Versuchen hörte er auf: „Theo komm aufs Stöckchen“. Hierfür nahmen wir eine seiner ehemaligen Sitzstangen. Klappte prima. Selbst beim ersten Versuch hatten wir ihn durch längeres Hinhalten der Sitzstange dazu bewegen können darauf zu steigen.

Seine nächste Lieblingsbeschäftigung war es, an den Stäben zu knacken – nach zwei Tagen hörte er zum Glück nach einem lauten „Nein“ damit auf.

Es war schön zu verfolgen, wie Theo immer mutiger wurde. Ganz zaghaft nahm er Obststücke aus der Hand – nachdem wir sie ihm vier Tage lang immer wieder hingehalten hatten.

Einer seiner Lieblingslandeplätze wurde der Hasenkäfig, wo er unsere Zwerg-kaninchen beäugte. Die ließen sich davon nicht stören und Theo genoss es. Bald fing Theo an, eine „Ausbruchmöglichkeit“ für die Hasen zu suchen… Da schritten wir erzieherisch ein – durch Umsetzten auf seinen Kletterbaum, den wir zwischenzeitlich gebastelt hatten. Den fand er auch sofort ganz gut.

Es sollte nicht lange dauern, bis Theo es auch ganz super fand, auf der Gardinenstange zu hocken – das Kommando zum Runterkommen befolgte er nach zwei Tagen.

5.-7. Woche:
Theo fraß endlich Obst aus der Hand.

Abends wollte er nicht mehr „schlafen gehen“. Da mussten wir uns was Neues einfallen lassen. Also machten wir die Volierentür auf und nicht mehr das Dach. So konnten wir Theo abends problemlos mit Hilfe des Stöckchen in die Voliere umsetzten.

Theo schnatterte am liebsten zu Musik von Rosenstolz. Er sprach noch sehr undeutlich – aber viel.

Mit der Hand kamen wir jetzt ganz dicht an ihn heran. Wenn wir ihm zu nahe kamen, richtete er sich auf und deutete einen „Hackangriff’“ an.

Manchmal hielt er sich zaghaft am Zeigefinger fest, als ob er auf die Hand klettern wollte, doch dafür war er noch nicht mutig genug.

In dieser Zeit beschlossen wir, eine Partnerin für Theo zu suchen. Diese sollte natürlich auch eine Naturbrut sein. Wir wollten auch einem Abgabetier, eventuell auch einem Rupfer, die Chance geben, mit einem Partner bei uns zu leben. Aber wir wollten hier nichts überstürzen.

Weihnachtszeit – wir hatten nach vielem Hin und Her unseren Weihnachtsbaum in der Wohnstube – Theo’s Reich – aufgestellt. Unser Theo ignorierte ihn aber – bis auf eine „Testlandung“. Wir befestigten ihm an seinen Kraxelbaum und an seinen Freisitz Tannenzweige, die er mit viel Spaß in kürzester Zeit zerschredderte.

Wir konnten Theo jetzt auch auf seinem Stöcken in die Küche (nicht beim Kochen) oder an den Computer mitnehmen. Das fand er ganz toll!

Sehr gern saß er auf den Türen, da hatte er gleich zwei Zimmer „unter Kontrolle“. Sollten wir ihn in einem Zimmer „vergessen“ haben, „rief“ er uns hinterher.

Sein Geschnatter wurde immer deutlicher. Mit etwas Übung verstand man fast alles, was er brabbelte.

8.-10. Woche:
Juhu – am 02.01.07 kam Theo das erste Mal zu uns an den Tisch geflogen. Keine Ahnung, ob die Pommes ihn anlockten – geschmeckt haben sie ihm auf alle Fälle – und nur zur Feier des Tages durfte er davon naschen! ;-)

Egal wo Theo saß (außer am Futternapf) – wir brauchten nur sein Stöckchen in die Luft zu halten und "Theo komm" zu rufen, und er kam tatsächlich. Das hatten wir einfach mal probiert und der schlaue Kerl machte es prompt!

Wenn er auf dem Stöckchen saß, konnten wir das Stöckchen problemlos auf den ausgestreckten Arm legen - da haute er auch nicht mehr ab, sondern blieb ruhig sitzen.

Jetzt fing Theo an, unseren Zwergkaninchen, die er immer noch regelmäßig besuchte, das Heu zu mopsen, woran er dann mit Freude herumknabberte.

Sobald das Radio oder der Fernseher lief, fing Theo an zu brabbeln. Er sprach immer deutlicher und war ziemlich amüsant!

Den 6. Januar 2007 werden wir wohl nie vergessen. Theo fand eine Dusche bisher nicht schön. Daher boten wir ihm an diesem Tag in unserem großen Waschbecken ein Bad an. Wir legten seine Sitzstange quer vom Rand ins Becken hinein. Nachdem die Schwanzfedern etwas nass wurden, kletterte er nur noch am Waschbeckenrand herum. Da haben wir ihm nochmals eine Dusche mit der Blumenspritze (Verneblerstufe mit lauwarmem Wasser) verpasst. Das fand er dann auf einmal doch ganz schön. Irgendwie kamen wir auf die Idee, jetzt mal den Versuch zu starten, ihn am Kopf anzufassen. UND ES KLAPPTE! Wir konnten ihn am Kopf streicheln und kraulen!

Die nächsten Tage ließ er sich zwar nur bedingt anfassen, aber er hatte keine Angst mehr vor der Hand. Wir hatten den Durchbruch zum Kraulen geschafft.

Zwei Tage später: Wir saßen am Mittagstisch und auf einmal startete Theo, von seinem Sitzplatz auf der Küchentür aus, einen Anflug auf den Kopf unseres Sohnes und Schwupps war er bei mir auf dem Arm, stellte sein Gefieder im Nacken auf und wollte gekrault werden!

Oft saß er bei unseren Mahlzeiten mit am Tisch und beobachtete uns. Manchmal wollte er etwas Käse oder Ähnliches stibitzen. Er war dabei aber noch sehr vorsichtig. Wir boten ihm jetzt immer einen papageiengerechten Zwischensnack an, wenn er uns beim Essen besuchte.

Wir waren so glücklich! Nach gut zwei Monaten hatten wir aus einer lieben Naturbrut einen (fast) zahmen Grauen gemacht. Nur etwas Übung jeden Tag brachte diesen Erfolg. Wir waren begeistert und fühlen uns darin bestätigt, dass auch eine Naturbrut zahm werden kann – es muss nicht immer eine Handaufzucht sein.

Nachtrag:

Theo hat seit dem 17.03.2007 eine Partnerin - Elli, eine zwei Jahre alte Naturbrut.
Weitere Berichte werden folgen.

 
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