Nymphensittichküken Bruce

Nymphensittich
Bruce (oben), 9 Tage,
mit Stiefgeschwisterchen, 4 Tage

Nymphensittich
Bruce (links) 14 Tage,
anderes Küken 9 Tage alt

Nymphensittich
Bruce (rechts) 16 Tage,
anderes Küken 11 Tage alt

Nymphensittich
Bruce - 22 Tage alt
Der Entwicklungsrückstand
ist noch deutlich sichtbar

Nymphensittich
26 Tage alt

Nymphensittich
30 Tage alt

Nymphensittich
35 Tage alt

Nymphensittich
Bruce mit 9 Monaten

Zufüttern kann eine Handaufzucht verhindern

Man liest immer wieder von Nothandaufzuchten, manche Züchter bieten regelmäßig solche geretteten Tiere an.

Aber ist eine Handaufzucht wirklich so oft nötig? Sollten wir nicht die Umstände überprüfen, wenn regelmäßig Probleme in der Brut auftreten? Ich habe Erfahrungen mit der Zucht von Nymphensittichen gesammelt. Es gibt viele Ursachen von Handaufzuchten, die man von vorn herein ausschließen kann.

Man sollte die Eltern möglichst wenig stören, aber eine regelmäßige Kontrolle ist auch wichtig. Daher haben wir unsere Brutpaare schon während der Brut auf Eiern daran gewöhnt, dass täglich zur gleichen Uhrzeit jemand in den Nistkasten schaut. Bei der Gelegenheit werden die Tiere auch raus genommen und später dann die Küken gewogen. Diese Aktion dauert nicht länger als zwei Minuten pro Paar.

Paare, die ihre Küken rupfen würde ich kein zweites Mal ansetzen.

Nymphensittiche können während der Brut sehr aggressiv werden, daher halte ich Koloniebrut für gefährlich und nicht praktikabel. Jedes Paar sollte eine eigene Voliere bekommen.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Nistkästen. Im Handel bekommt man viele Modelle angeboten. Nistkästen im Hochformat sind ideal. Die Grundfläche sollte etwa 25 x 25 cm betragen, die Höhe 40 cm. Die geringe Grundfläche erleichtert es den Eltern Eier und Küken zusammen zu halten. Verlassen die Eltern den Kasten kurzzeitig, hält sich außerdem die Wärme besser. Als Untergrund eignet sich eine Mischung aus Sägespänen (Kleintiereinstreu) und Heu. So rutschen die Küken nicht auf dem Boden weg und es kommt nicht zu den gefürchteten "Spreizbeinen". Eine Sitzstange im Kasten auf halber Höhe verhindert, dass die Eltern auf die Eier springen und sie dabei beschädigen.

Geburtenkontrolle ist auch bei Nymphen nicht abwegig. Anstatt das gesamte Gelege zuzulassen, kann man nach dem zweiten oder dritten Ei gegen Plastikeier austauschen. Einzelküken sind zu vermeiden, mehr als drei Küken könnten unerfahrene Paare überfordern. Es ist ratsam, immer mindestens zwei Zuchtpaare zeitgleich anzusetzen. Diese Strategie hat sich bewährt, als eines unserer Paare seine Küken nicht gefüttert hat. Den genauen Ablauf werde ich hier schildern

Erste Probleme
Es war die erste Brut von Kira und Toni. Schon nach der Eiablage kam es zu Problemen. Der Hahn hat die Henne nicht regelmäßig abgelöst. Kira kam dadurch deutlich seltener aus dem Kasten, als es für Nymphensittichhennen normal wäre. Da die Eier befruchtet und entwickelt waren, als die ersten Probleme auftauchten, haben wir abgewartet.

Schlupf
Wir hatten dem Paar ohnehin nur drei Eier gelassen. Daraus schlüpfte als erstes Bruce am Morgen des 18.Juni 2005. Am Abend mussten wir beide Elternteile zwangsweise aus dem Nistkasten holen, da sie diesen seit 24 Stunden weder verlassen, noch getrunken oder gefressen hatten. Die Beiden haben natürlich sehr aufgeregt reagiert und kaum gefressen. Immerhin reichte es aus, um das Küken anzufüttern. Am nächsten Tag wog Bruce deutlich mehr. Von 3,6 g Schlupfgewicht, hatte er es auf 5,7 g gebracht, abends dann 6,6 g. Wir dachten, dass jetzt alles klappt. Bruce konnte den Kopf heben und war kräftig.

Keine Fütterung
Am 20.Juni wog er bei der morgendlichen Wiegung nur noch 5,8g. Abends sogar nur 5,4g. Die Eltern haben den Kasten nicht selbstständig verlassen. Beide Elternteile saßen fest im Kasten. Sogar Futtergeräusche waren zu hören, aber da die Elterntiere nichts fraßen konnten sie auch kein Futter weitergeben. Am selben Tag schlüpfte bei einem anderen Paar das erste Küken. Wir haben Bruce dieser Henne mit untergelegt. Sie nahm das Küken problemlos an.

Zweites Küken
Am nächsten Morgen schlüpfte noch ein Küken bei den Problemeltern. Da sie in den ersten zwei Stunden nicht fütterten haben wir das Küken ebenfalls der anderen Henne untergelegt. Das zweite Küken hat unverdaute Körner ausgeschieden nahm nur sehr langsam zu. Auch den Kopf konnte es nicht anheben. Wir haben noch versucht zuzufüttern, aber es ist leider im Alter von fünf Tagen gestorben. Die Eltern der beiden Küken haben wir zu befreundeten Nymphenhaltern gegeben, wo sie viel Abwechslung bekamen. Der Hahn schrie noch drei Tage, danach haben sie sich akklimatisiert.

Bruce
Das erste Küken war ja nun bei anderen Nymphensitticheltern im Kasten. In den ersten Tagen entwickelte Bruce sich gut. Das erste Küken der Zieheltern war jedoch schon größer als er, obwohl jünger. Am fünften Lebenstag war Bruce kaum noch lebendig, als wir in den Kasten schauten. Er hatte abgenommen, sah dehydriert aus und konnte sich nur noch unkontrolliert bewegen. Wir hatten leider kein Handaufzuchtsfutter und konnten in dem Moment nicht helfen. Stattdessen haben wir Futter für die Eltern gekocht und mit Eifutter vermengt. Diesen Brei nahmen die Eltern gut an und fütterten auch Bruce wieder richtig. Einen Tag später sah er schon deutlich besser aus, aber der Unterschied zu den anderen Küken war enorm.

Zufütterung
Wir haben uns entschlossen zuzufüttern. Uns wurde gesagt, dass man so junge Küken kaum per Hand aufziehen könnte. Genau das wollten wir auch vermeiden. Deshalb haben wir Bruce dreimal täglich zugefüttert. Bei der ersten Fütterung wog er knapp 9 g. Ich habe eine halbe Ewigkeit gebraucht etwas Futter einzugeben, da dieses kleine Wesen so zerbrechlich wirkte. Bruce wollte leider auch nicht freiwillig fressen. Wir haben deshalb die Stiefgeschwister mitgefüttert, das weckte den Futterneid. Ein Wärmkissen half enorm, so waren die Küken gleich entspannter.

Vor und nach jeder Fütterung haben wir Bruce gewogen, um seine Entwicklung genau zu beobachten. Da er wesentlich kleiner als die anderen Küken war, haben wir ihn einem anderen Nymphenpaar untergelegt, welches noch jüngere Küken hatte.

Als Bruce kräftiger wurde, haben auch die Zieheltern wieder besser gefüttert. Nach einer Woche dachten wir das erste Mal, dass der Kleine sicher aus dem Gröbsten raus ist. Da war er noch ein kleines nacktes Wesen, das gerade erst die Augen öffnete.

Die folgenden sechs Wochen haben wir unseren Tagesablauf umgekrempelt, um die Küken zu füttern. Wir sind abwechselnd arbeiten gegangen, so dass immer jemand füttern konnte. Schon bevor wir selber frühstückten haben wir gefüttert und Kochfutter für die Eltern zubereitet.

Bruce hat uns dann noch mal einen Schreck eingejagt, weil ihm die Beine immer seitlich wegrutschten (Spreizbeine). Wir haben daraufhin die Einstreu noch dicker ausgelegt. Er entwickelte sich generell sehr unregelmäßig. Die Füße waren zum Beispiel erst sehr klein und sind dann sprungartig übergroß geworden.

Bruce war das älteste von vier Küken, war aber im Entwicklungsstand zeitweise etwa zwei Wochen hinterher. Er hat sich etwa ab der vierten Woche völlig normal entwickelt.

Die Jungmauser hat er überstanden und inzwischen gibt es auch eine Henne, die er anbetet.

Ich bin froh, dass wir ihn nicht aufgegeben haben. Der gesamte Stress hat sich gelohnt, wenn man diesen Vogel heute sieht. Er konnte mit anderen Jungtieren aufwachsen, und musste nicht erst resozialisiert werden.

Anstatt einer Handaufzucht, würde ich immer wieder nur zufüttern. Kein kuscheliges Handtuch kann die Wärme und Geborgenheit der hudernden Eltern ersetzen. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wärme sind bei künstlicher Handaufzucht nur schwierig einstellbar. Soziale Verhaltensweisen kann ein Mensch überhaupt nicht vermitteln.

Bruce ist zahm geblieben, gibt den Nymphensittichen aber eindeutig den Vorzug.

Bruce mit Eltern
Bruce mit seinen richtigen Eltern

 

Autorin: Jana Rückschloss
Viele Informationen über Nymphensittiche, Forum, Kinderseite finden Sie auf der Webseite der Autorin
www.NymphensittichSeite.de