1. Ziel der Studie
Der Einfluss der Aufzuchtmethode, der frühen Entwicklung und der Sozialisierung von Papageien auf das Verhalten von erwachsenen Tieren wurde bis jetzt noch nie genau erfasst. Niemand weiss genau, welche Entwicklungsstufen der Jungvögel die Prägung miteinschliesst.
Ziel der Studie war es, einen ersten Einblick in die Auswirkungen der Handaufzucht zu schaffen. Es wurden nur Graupapageien (beide Subspezies: Psittacus erithacus erithacus und Psittacus erithacus timneh) in die Studie eingeschlossen und zwar aus folgenden Gründen: sie werden sehr oft als Heimtiere gehalten und sind zudem extrem sensibel und intelligent und neigen deshalb besonders dazu, in Gefangenschaft Verhaltensauffälligkeiten und –störungen zu entwickeln.
2. Graupapageien, die an der Studie teilgenommen haben
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103 Graupapageien, davon 64 Handaufzuchten, 13 Naturbruten und 26 Wildfänge.
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als Heimtiere gehalten (keine Zuchttiere).
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Alter: zwischen 3 und 73 Jahren .
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Herkunft und Aufzuchtmethode bekannt oder nachvollziehbar. Züchter (insg. 31 Personen) wurden über die angewandte Handaufzuchtmethode befragt.
3. Ergebnisse
Die Daten wurden statistisch ausgewertet (NCSS 97) und das Signifikanzniveau wurde mit den p-Werten angegeben. Diese Zahl gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Resultat richtig ist. Um die Lesbarkeit zu verbessern, wurde im folgenden Text auf die p-Werte verzichtet. Wenn nichts Spezielles angedeutet ist, unterschieden sich die Resultate signifikant (p < 0.05). Andere Einfluss-Faktoren, wie u.a. die Käfiggrösse, die Pflege, das Alter oder das soziale Umfeld der Papageien wurden für die Auswertung ebenfalls in Betracht gezogen. Die Resultate beziehen sich auf die 103 Graupapageien, die in der Studie teilgenommen haben unddürfen deswegen nur mit Vorsicht verallgemeinert werden.
3.a. Verteilung der Daten / Auftreten von Verhaltensstörungen und -auffälligkeiten
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49.5% der Papageien hatten ihre Federn schon früher gerupft.
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26.7% der Papageien zeigten stereotype Bewegungen.
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17.1% der Vögel zeigten sehr oft "nervöse Ticks" (Übersprungsverhalten).
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11.4% der Papageien waren übermässig aggressiv gegenüber Menschen.
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12.4% der Papageien waren für den Besitzer zu laut, davon waren 4 Vögel echte Schreier.
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31.4% der Vögel wählten ihren Besitzer als Sexualpartner, 61.9% würgten Futter für ihn hervor.
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26.7% der Papageien bettelten (dem Besitzer gegenüber), um Futter zu bekommen.
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6 Papageien waren hyperaktiv, 4 zeigten Hypersexualität und 2 Tiere waren apathisch.
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Keiner der Papageien hat Phobien entwickelt. 26 haben aber dagegen grosse Ängste gegenüber spezifischen Gegenständen oder Umständen gezeigt.
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Nachahmungsfähigkeit: 2 Papageien ahmten nichts nach, 97 Vögel machten Geräusche nach, 99 Papageien Wörter (neben Geräusche) und 53 Vögel ganze Sätze.
3.b. Der Einfluss der Aufzuchtmethode und der Herkunft der Papageien auf ihr Verhalten
Aggressivität: handaufgezogene Papageien waren aggressiver als Naturbruten und Wildfänge und griffen im Fliegen entsprechend häufiger an. Was besonders bemerkenswert war, war die Neigung von handaufgezogenen Tieren, aus Dominanz zu beissen. Es fehlt ihnen die natürliche Angst vor Menschen und sie reagieren deswegen öfter bei unangenehmen Gelegenheiten mit Aggressivität. Wildgefangene Tiere und Naturbruten bissen oft aus Angst oder Unsicherheit. Daneben zeigten Wildfänge ein ausgeprägtes Territorialverhalten und bissen oft, um ihr Revier zu verteidigen (p = 0.099).
Federrupfen: Wildfänge rupften sich häufiger als handaufgezogene Tiere. 31.1% der handaufgezogenen Papageien rupften sich zur Zeit des Besuchs, gegenüber 53.8% der Naturbruten und 65.4% der wildgefangenen Tiere. Es gibt zahlreiche mögliche Ursachen für das Federrupfen. Es ist aber selten offensichtlich, welcher Umstand das Rupfen ursprünglich ausgelöst hat. Ein vermehrtes Auftreten bei wildgefangenen Tieren ist sicher teilweise darauf zurückzuführen, dass diese Papageien unter einem riesigen Stress während des Fangs und des Imports gelitten haben. Ausserdem müssen sie sich auch an die neue Umgebung, das Klima und die Zähmungsversuche bzw. die Anwesenheit von Menschen gewöhnen. Das Federrupfen wird daneben oft bei handaufgezogenen Tieren durch Fehlprägung wegen sozialer und sexueller Frustration ausgelöst.
Die Papageien können ihre Federn auf verschiedene Art und Weise rupfen. Sie können die Federn einfach rausziehen oder anknabbern. Interessant ist, dass die handaufgezogenen Vögel in der Regel ihre Federn zerfrassen und dass die anderen Papageien ihre Federn öfter ausrissen. Auch wenn die Aufzuchtmethode anscheinend einen Einfluss über die Weise hat, wie die Graupapageien ihre Federn rupfen, spielen wahrscheinlich noch andere Umweltfaktoren (z.B. Luftfeuchtigkeit) eine ausschlaggebende Rolle.
Ängstlichkeit: Wildfänge entwickelten viel häufiger eine Angst gegenüber einem spezifischen Umstand oder Gegenstand als Nachzuchten. Das ist höchstwahrscheinlich die Folge des Imports. Einige wildgefangene Papageien reagierten auf Auslöser, die direkt in Verbindung mit dem Einfangen gebracht werden konnten, wie z.B. Lattenkiste, Stäbe, Teppiche, fadenförmige Gegenstände. Andere Ängste schienen dagegen keinen direkten Zusammenhang mit dem Import zu haben, jedoch wurden diese Papageien sicherlich durch die stressigen Umstände für die Entwicklung solcher Ängste prädisponiert.
Selektivität gegenüber Menschen: handaufgezogene Tiere waren im allgemeinen selektiver als Naturbruten und Wildfänge. Sie duldeten die Annäherungsversuche und den körperlichen Kontakt nur von wenigen bestimmten Personen. Das ist vor allem auf die verfälschte Prägung dieser Papageien zurückzuführen, was zu einer übermässig starken Beziehung mit einer bestimmten Person führt, die als Ersatzpartner betrachtet wird.
Selektivität gegenüber einem Geschlecht: 38.5% der Wildfänge entwickelten Aggressivität nur gegenüber einem Geschlecht, davon 30.8% der Tiere gegenüber Männern. Nur 7.8% der handaufgezogenen Vögel und überhaupt kein Papagei, der von seinen Eltern grossgezogen wurde, zeigten ein solches Verhalten. Die Aggressivität könnte auf unangenehme und schreckliche Erlebnisse während des Fangs und der ersten Zeiten in Gefangenschaft zurückzuführen sein. Es ist auch nicht erstaunlich, dass die Aggressivität hauptsächlich gegen Männer gerichtet war, da vornehmlich Männer bei dieser Gelegenheit anzutreffen sind. In der Studie konnte kein Zusammenhang zwischen dem Geschlecht der Papageien und einer Präferenz für ein bestimmtes menschliches Geschlecht gefunden werden, wie es manchmal von Vogelliebhabern behauptet wird.
Infantiles Verhalten: wie erwartet bettelten handaufgezogene Tiere, um Futter zu bekommen, signifikant mehr als Naturbruten und Wildfänge.
Gefiederpflege: alle Papageien, die ihr Gefieder zu wenig oder übermässig pflegten gehören zu den handaufgezogenen Vögeln. 33.3% der handaufgezogenen Papageien, die kein Federrupfen zeigten, pflegten ihr Gefieder unzureichend bzw. zu viel. Die Gefiederpflege ist eine Verhaltensweise, die teilweise durch die Beobachtung anderer erwachsener Tiere erlernt wird. Eine übermässige und eine ungenügende Gefiederpflege rufen ein ähnliches Erscheinungsbild hervor und können leider kaum voneinander unterschieden werden. Eine unzureichende Pflege könnte durch seltenen Kontakt mit anderen Papageien während der Aufzucht und der Absetzperiode entstehen. Eine übermässige Gefiederpflege könnte ein Vorzeichen von Federrupfen sein.
Der Gesundheitszustand von importierten Graupapageien war üblicherweise wesentlich schlechter als derjenige von Schweizer Nachzuchten. Das ist sicher teilweise durch die immunosuppressiven Eigenschaften der antibiotischen Prophylaxe während der Quarantäne, aber auch durch den Stress während des Imports erklärbar. Die Naturbruten zeigten zur Zeit des Besuchs kaum Gesundheitsprobleme und waren in bestem Gesundheitszustand. Atemprobleme traten häufiger in der Gruppe von Wildfängen auf (57.7% der importierten Vögel waren diesbezüglich schon auffällig geworden, gegenüber 30.8% der Naturbruten und nur 12.5% der Handaufzuchten). Betrachtet man die Kondition der Tiere, konnte man feststellen, dass 31.2% der Handaufzuchten deutlich an Übergewicht litten, gegenüber 23.1% der importierten Tiere und 15.4% der Naturbruten.
3.c. Der Einfluss der Handaufzuchtmethode auf das Verhalten der Papageien
Alter der Küken, wenn sie aus dem Nest genommen wurden
Federrupfen: die Küken, die während der 6. Lebenswoche aus dem Nest genommen wurden, hatten die Tendenz, sich die Federn zu rupfen. Der Grund dafür könnte sein, dass genau zu diesem Zeitpunkt die grösseren Federn wachsen. Der starke Wechsel in der Umgebung des Vogels und der Stress, der dadurch ausgelöst wird, könnte das normale Wachstum der Federn stören oder eventuell das Federwachstum und die damit eingeleitete erste Gefiederpflege mit dem unangenehmen Erlebnis verknüpfen. Diese Vögel könnten sich später zu Rupfern entwickeln.
Stereotype Bewegungen: die Graupapageien, die weniger als 5 Wochen von ihren Eltern versorgt worden sind, haben signifikant mehr stereotype Bewegungen entwickelt als diejenigen, die länger im Nest gehalten wurden. Diese Beobachtung entspricht dem, was bis jetzt bei anderen Tierarten (u.a. Ratten und Affen) beobachtet wurde. Die Jungtiere, die zu früh von ihrer Mutter entfernt werden, neigen dazu, stereotype Bewegungen zu entwickeln. Diese abnormalen Verhaltensweisen waren in dieser Arbeit sehr mannigfaltig. Es liegt ein fliessender Uebergang zwischen "normalen" und "stereotypen" Bewegungen vor. Alle auffälligen Bewegungen wurden möglichst auf die Dauer, die Frequenz und die Unterbrechbarkeit überprüft, bevor sie tatsächlich in die Gruppe "Tiere mit Stereotypien" eingeteilt wurden.
Fütterungsmethode
Aggressivität: Papageien, die ausschliesslich mit der Kropfsonde gefüttert wurden, hatten die Tendenz, besonders aggressiv zu werden und griffen öfters im Fliegen an.
Schreien: Graupapageien, die mit einer Kropfsonde gefüttert wurden, schrieen mehr als Vögel, die mit dem Löffel, der Spritze oder der Pipette gefüttert wurden.
Gesundheit: schliesslich war der Gesundheitszustand von den Papageien, die mit der Kropfsonde gefüttert wurden, auch wesentlich schlechter.
Alle diese Ergebnisse könnten auf einen erhöhten Stress der Tiere hindeuten. Kropfsondenfütterung kann wahrscheinlich eine erhebliche Belastung für die Papageien bedeuten und sollte deswegen nur in Ausnahmefällen (therapeutische Massnahmen) eingesetzt werden. Schliesslich ist die Kropfsondenfütterung völlig unnatürlich, da die Küken den Futterbrei nicht schlucken können.
Sozialkontakt mit der Brut während der Aufzucht
Fähigkeit, ein normales Sexualverhalten mit einem anderen Papagei zu zeigen: nur jene Papageien, die die Möglichkeit hatten, eine Beziehung mit einem Artgenossen zu schliessen, wurden in die Auswertung einbezogen. Deswegen standen nur wenige Tiere für die Auswertung zur Verfügung, was eine statistische Aussage kaum erlaubt. Trotzdem war die deutliche Tendenz ersichtlich, dass die Vögel, die ohne Kontakt mit der Brut oder mit anderen Papageien grossgezogen wurden, nur eine begrenzte Fähigkeit besassen, ein normales Sexualverhalten mit einem Artgenossen zu entwickeln. Nur 33.3% der Papageien, die allein aufgezogen wurden, zeigten ein solches Normalverhalten, gegenüber 68.4% der Vögel, die mit der gesamten Brut gehalten wurden.
Kontakt mit Menschen während der Handaufzucht
Fähigkeit, ein normales Sexualverhalten mit Artgenossen zu zeigen: wiederum wurden nur die Papageien, die nicht allein gehalten wurden, in Betracht gezogen. Wie erwartet hatten die Papageien, die mit dem Besitzer einen sehr engen täglichen Kontakt während der Handaufzucht gehabt hatten, mehr Mühe, ein Normalverhalten mit Artgenossen zu zeigen. Wiederum waren nur wenige Tiere vorhanden, was die statistische Auswertung beeinträchtigt.
Wahl des Partners: dementsprechend wählten Papageien, die viel Zuwendung während der Handaufzucht gehabt hatten, mehrheitlich einen Menschen als Partner, auch wenn ein anderer Graupapagei zur Verfügung stand. 87.5% der Papageien, die von Hand mit möglichst wenig Kontakt mit Menschen grossgezogen wurden, wählten einen anderen Papagei als Partner, gegenüber 66.7% der Vögel, die beim Züchter mit ziemlich engem Kontakt aufgezogen wurden und nur 44.4% der Papageien, die durch den Besitzer gefüttert wurden.
3.d. Der Einfluss der Haltung und Pflege auf das Verhalten der Papageien
Die Grösse des Käfigs: Graupapageien, die in "Standard"-Käfigen gehalten wurden, entwickelten mehr stereotype Bewegungen als diejenigen, die in Volieren (mind. 80x120x100 cm) gehalten wurden.
Spielzeuge im Käfig: die Vögel, die über keine Spielzeuge in ihrem Käfig verfügten, hatten die Tendenz, stereotype Bewegungen zu entwickeln. Daneben, hatten sie die Neigung, vermehrt zu schreien und sexuell inaktiv zu sein. Die oben erwähnten Verhaltensprobleme sind alle mit Langeweile verknüpft, was veranschaulicht, dass Spielzeuge eine gute Beschäftigungsmöglichkeit für Papageien sind.
Höhe der höchsten Sitzstange: die Papageien, deren höchste Sitzstange unter der Augenhöhe des Menschen lag, neigten vermehrt dazu, eine Angst gegenüber einem spezifischen Gegenstand bzw. Umstand zu entwickeln. Eine erhöhte Sitzlage gibt vermutlich dem Papagei ein Sicherheitsgefühl.
Lage des Käfigs im Raum: Papageien, deren Käfig neben einem Fenster stand, rupften ihre Federn signifikant mehr als Tiere, deren Käfig an einer Wand oder in einer Ecke war. Sie zeigten auch die Tendenz, vermehrt zu schreien. Das liegt vermutlich an der grösseren Stressbelastung, da die meisten Papageien keine Rückzugsmöglichkeit in ihrem Käfig besitzen und sich von den Ereignissen, die sie durch das Fenster sehen können, nicht genügend abschirmen können. Diese Lage des Käfigs kann anderseits für weniger empfindliche Tiere eine gute Beschäftigungsmöglichkeit darstellen. Die Papageien, deren Käfig neben ein Fenster gestellt wurde, neigten auch dazu, vermehrt sexuell aktiv zu sein. Sie regurgitierten für den Besitzer auch entsprechend häufiger als die Papageien, aus der anderen Gruppe.
Käfig auf dem Balkon: Vögel, deren Käfig täglich oder ziemlich oft auf den Balkon oder nach draussen gestellt wurde, waren sexuell aktiv. Wenn man diese Beobachtung mit den Ergebnissen der "Stelle des Käfigs im Raum" vergleicht, kann man feststellen, dass das Wetter und die Aussenwelt einen positiven Einfluss auf das Sexualverhalten der Papageien zu haben scheinen.
Änderungen im Käfig: die Papageien, deren Besitzer die Stelle von Gegenständen und Sitzstangen nie oder sehr selten änderten, entwickelten öfter Ängste gegenüber einem spezifischen Gegenstand. Dieses Ergebnis veranschaulicht, dass sich Änderungen in der Umwelt der Papageien positiv auf ihr Verhalten auswirken, auch wenn die Vögel manchmal die neue Situation zunächst schlecht akzeptieren.
Käfig während der Nacht gedeckt: viele Besitzer decken den Käfig der Papageien jede Nacht zu. Diese Gewohnheit scheint aber dazu zu führen, dass die Papageien öfters eine grosse Angst gegenüber einem spezifischen Gegenstand entwickeln. Sie zeigten auch vermehrt stereotype Bewegungen.
Reaktion des Besitzers auf ein ungewünschtes Verhalten des Papageis: die Reaktion "Käfig mit einem Tuch decken" induzierte die Entwicklung von Ängsten, Aggressivität (v.a. Flugattacken) und letzendlich stereotypen Bewegungen (vgl. "Käfig während der Nacht gedeckt"). Wegen dieser Ergebnisse raten wir von der Anwendung dieser Methode bei Graupapageien ab.
Sozialkontakt: Papageien, die mit einem oder mehreren Papageien gehalten wurden, entwickelten selten Ängste, daneben zeigten sie weniger stereotype Bewegungen und waren sexuell aktiver.
Partner: dieses Kriterium berücksichtigt die Spezies (Mensch, Artgenossen oder andere Vogelspezies), die der Papagei als Sexualpartner gewählt hat. Einige Papageien haben Menschen als Partner gewählt, obwohl sie mit einem anderen Graupapagei gehalten wurden. Andere zeigten ein aktives Sexualverhalten mit beiden Spezies. Die Papageien, die Menschen als Sexualpartner gewählt haben, waren sexuell inaktiv, hatten grosse Ängste entwickelt, waren aggressiver gegenüber Menschen und hatten die Neigung, vermehrt zu schreien. Die Papageien, die keinen Partner hatten (nur 7 Vögel in der Studie), zeigten vermehrt Aggressivität gegenüber Menschen und entwickelten oft stereotype Bewegungen.
Luftfeuchtigkeit / Badegelegenheit: wenn die Luftfeuchtigkeit sehr hoch war (mehr als 60%), rupften weniger Tiere ihre Federn als in einer trockenen Umgebung. Diese Neigung war aber nur ersichtlich, wenn die Luftfeuchtigkeit sehr hoch war. In den anderen Gruppen (<45% und 45-60% Luftfeuchtigkeit) war keine Tendenz zu sehen. Wenn die Luftfeuchtigkeit sehr niedrig war oder wenn die Vögel selten oder nie über eine Badegelegenheit verfügten, knabberten diejenige, die Rupfer waren, ihre Federn eher an als sie dass sie sie rauszogen.
Dauer der Beleuchtung / Tageslänge: die Papageien, die über 12 Stunden Dunkelheit pro Tag verfügten, waren weniger aggressiv als diejenigen, die kürzere oder aber auch längere Nächte hatten. Die handaufgezogenen Papageien hatten daneben die Tendenz, ihr Gefieder schlecht zu pflegen, wenn sie ein ungünstiges Tag-Nacht-Verhältnis hatten.
Flugfähigkeit: wildgefangene und durch ihre Eltern grossgezogene Papageien, deren Schwungfedern schon gestutzt wurden, entwickelten signifikant häufiger nervöse Ticks als Papageien, deren Federn nie geschnitten wurden. Diese Tendenz war auch bei den handaufgezogenen Vögeln in geringem Mass ersichtlich.
Geschlecht: weibliche Graupapageien hatten die Tendenz, vermehrt zu schreien. 7 weibliche Papageien schrieen, gegenüber einem einzigen männlichen Papagei.
Viele Verhaltensauffälligkeiten bzw. –störungen waren miteinander verbunden. Das heisst, dass die Papageien, die ein Problem zeigten, gleichzeitig andere Probleme mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit entwickelten.
3.e. Schlussbetrachtung
Die frühen Erlebnisse und die Sozialisierung der Graupapageien haben einen eindeutigen Einfluss auf das spätere Verhalten der Tiere. Die frühen Sozial-Interaktionen sind entscheidend für die Entwicklung eines normalen Verhaltens bei Graupapageien. Es muss daher grosses Gewicht auf die Herkunft und die Aufzuchtmethode der Tiere gelegt werden. Problemtiere bleiben, trotz Bemühungen zu Verbesserungen, oft lebenslang schwierig zu halten. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Vergangenheit des Vogels zu beachten.
Handaufgezogene Tiere neigen im Allgemeinen vermehrt dazu, im Verhalten problematisch zu werden. Einige Handaufzuchtmethoden haben dennoch weniger negative Konsequenzen auf das Verhalten von Graupapageien, wie die Löffel- oder Spritzenfütterung, ferner die Küken mindestens 5 Wochen bei den Eltern belassen und so wenig Kontakt wie möglich mit Menschen während der Handaufzucht gewähren. Die Kropfsondenfütterung bedeutet dagegen eine erhebliche Stressbelastung für das Tier und sollte vermieden werden.
©Rachel Schmid
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