Nymphensittiche

AGNB

Ausführlichere Informationen zum Themenkreis Naturbrut/Handaufzucht finden Sie auf meiner Webseite www.handaufzucht.info und den dort verlinkten Mitglieder-Seiten der
AG Naturbrut

Offizielle Stellungnahmen zur Handaufzucht

Die Ablehnung der Handaufzucht und Rückkehr zur Naturbrut ist nicht, wie aus gewissen Züchter- und Händlerkreisen häufig zu hören, eine unbegründete Forderung einiger weniger Personen. Viele Papageienhalter haben festgestellt, dass Handaufzuchten zwar zunächst einfacher zu handhaben sind, aber häufiger mit Eintritt der Geschlechtsreife Probleme bereiten als es bei Naturbruten der Fall ist. Auch dürfen die Risiken der Handaufzucht nicht unterschätzt werden. Berichte über Vögel, die durch die Handaufzucht  oftmals irreparable gesundheitliche Schäden erlitten haben, sind nicht selten. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen dies.

Der bei Vogelfreunden bekannte und beliebte Vogelpark Walsrode ist in Arterhaltungsprogramme (EEPs Endangered Species Programmes) eingebunden und führt in diesem Rahmen Handaufzuchten durch, da es hier äußerst wichtig ist, keine Jungvögel zu verlieren. Nicht bestandsgefährdete Arten werden jedoch nur dann von Hand aufgezogen, wenn die Vogeleltern ihre Jungen z.B. verletzen, also wenn eine Notfall-Handaufzucht unumgänglich ist.

Man ist sich dort der Tatsache bewußt und weiß aus Erfahrung, dass eine Handaufzucht immer zu einer Prägung und zu starken Bindung an den Menschen, bei manchen Arten sogar an eine bestimmte Person, führt. Junge Kagus z.B. müssen immer im Wechsel von verschiedenen Personen gefüttert werden. Wenn sie einige Tage vom gleichen Pfleger betreut werden, nehmen sie von einem anderen kein Futter mehr an! Dies zeigt deutlich, wie stark die Prägung der Küken auf ihren Futterbringer sein kann.

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT) hat am 11. Januar 2006 eine Stellungnahme zur Handaufzucht bei Papageien veröffentlicht, in der sie sich kritisch mit den Problemen der unterschiedlichen Aufzuchtmethoden auseinandersetzt. Darin heißt es u.a.:

Nach Auffassung des Arbeitskreises „Zoofachhandel und Heimtierhaltung“der tierärztlichen Vereinigung
für Tierschutz müssen die verschiedenen Aufzuchtmethoden differenziert betrachtet werden. Von allen
Aufzuchtmethoden ist die Naturbrut am vogelgerechtesten. Sie ist die einzige Methode, mit der
sichergestellt wird, dass die Jungvögel alle arttypischen Verhaltensweisen von den Eltern und Geschwistern erlernen können. Eine Menschengewöhnung der Jungvögel kann in diesem Fall durch
häufigen sachkundigen Umgang mit den Elterntieren und den Jungvögeln erreicht werden. Der Naturbrut
ist daher grundsätzlich der Vorzug zu geben.

(Pressemeldung und vollständiger Text kann hier von der Webseite des TVT heruntergeladen werden)

Das renommierte Institut für Papageienforschung e.V. (IPF) setzt sich ebenfalls kritisch mit dem Thema Handaufzucht auseinander:

Hintergrundwissen über Handaufzuchten
Immer mehr Züchter sehen in der Handaufzucht von Papageien eine relativ problemlose Alternative zur Naturbrut. Die Vorteile einer solchen Methode scheinen auf der Hand zu liegen, während man zum Erkennen der Nachteile einer gewissen Einsicht in die Thematik bedarf. Das Erzielen höherer Jungtierzahlen von einem Zuchtpaar in kürzerer Zeit, mit dem Ergebnis meist sehr zahmer Tiere, die man schnell an Interessierte weiterveräußern kann, scheinen hierbei als Vorteile auszureichen, um immer wieder Züchter zu animieren, Handaufzuchten anstelle der oft durchaus möglichen Naturbrut zu setzen. Doch welchen Preis zahlen wir für unser oberflächliches Verhalten?

(Der vollständige Text ist hier auf der Webseite des IPF nachzulesen.)

Gemäß der österreichischen Tierhaltungsverordnung sind Handaufzuchten aus kommerziellen Gründen verboten. Nur in besonders begründeten Fällen darf die Handaufzucht durchgeführt werden.